01. April 2021

Nachhaltig wachsen

Wenn sich der Absatz aus dem Nichts verfünffacht und der Freudentanz darob ausbleibt – ein Gespräch mit Lorin Reber von Grundstock.
von Karin Hänzi

Nachhaltiges Wachstum. Das war beim Start im August 2019 eines der obersten Ziele der Grundstock-Crew. Das Unterfangen, den Wochenmarkt vor die eigene Haustüre oder zumindest in die Grundstock-Zentrale zu holen und durch den Onlineshop unabhängig von Öffnungszeiten zugänglich zu machen, konnte nur gelingen, wenn die Entwicklung mit Bedacht vonstatten geht, so die Überzeugung von Lorin Reber und seinen Mitstreiter*innen. «Dass wir alle unsere Produzent*innen mit Namen kennen, ist weit mehr als Floskel und Marketinginstrument. Wir sind bei allen schon mal am Küchen- oder Gartentisch gesessen.» Eine Verbundenheit, die Zeit braucht. 

Auch die Funktionsweise von Grundstock ist auf Schritt-für-Schritt-Wachstum ausgerichtet: Jeweils bis Dienstabend 23.59 Uhr können die Kund*innen ihre Wochenbestellung aufgeben. Zur Auswahl steht Frisches, Haltbares, Flüssiges und Haushaltiges, das von kleinen Betrieben, aus nachhaltiger Produktion und direkt bei den Produzent*innen bezogen wird. von Ein Abo-System gibt es nicht, die Bestellung kann also jederzeit dem Bedarf angepasst werden und jede Woche anders aussehen. Mittwoch und Donnerstag früh werden die eingegangenen Bestellungen von den Produzent*innen geerntet, produziert oder gerüstet, was allen voran bei den nicht-haltbaren Lebensmitteln den entscheidenden Unterschied zum Märit macht. «Bei uns wird immer nur so viel geerntet und produziert, wie auch tatsächlich verkauft wird», so Lorin Reber. Am Donnerstag schliesslich werden die Produkte angeliefert, vom Grundstock-Team umgepackt und wahlweise gegen Gebühr nach Hause geliefert oder zur Selbstabholung bereit gestellt. Bezahlt wird per Rechnung, «internationale Kreditkarten würden unserem Bekenntnis zu einer vernetzten Lokalwirtschaft zu sehr widersprechen.»

So simpel sich dieser Ablauf auf dem Papier liest, so zahlreich sind die Zahnrädchen dahinter. Mehr Bestellungen heisst mehr Säcke, mehr Kisten, mehr Regale, mehr Hände, die mit anpacken, mehr Administration, auf Produzent*innen-Seite überdies mehr Lagerkapazität für die haltbaren Grundstock-Produkte. «Kommen pro Woche eine Handvoll neue Kund*innen dazu, lässt sich all das wunderbar handhaben. Steigen jedoch die Bestellungen innert kurzer Zeit exponentiell an, gerät das System ins Rotieren und aus dem Gleichgewicht», sagt Lorin Reber. So geschehen im März 2020, als sich der Absatz aufgrund des ersten Lockdowns und eines gleichzeitigen Berichts im Schweizer Fernsehen im Nullkommanichts verfünffachte. «Das hat uns eindrücklich gezeigt, wie richtig unser Bestreben nach langsamem, dafür nachhaltigem Wachstum ist. Möglichst viele Kund*innen ist ja nicht automatisch gleichbedeutend mit Kund*innen, die das Angebot verstehen.»

Team von Grundstock

Team von Grundstock (Bild: zvg)

 

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